🌍 WENN DIE WELT IHREM ENDE ENTGEGENGEHT
🕯️ Hoffnung, Wachsamkeit und Treue in Matthäus 24–25
Predigt 1 : 🪨 Wenn kein Stein auf dem anderen bleibt
Irdische Sicherheiten und das unerschütterliche Reich Gottes
Haupttext: Matthäus 24,1–3
Leitvers: Hebräer 12,28
Predigtgedanke: Alles Irdische kann erschüttert werden. Wer jedoch auf Christus und sein Wort baut, gehört zu einem Reich, das niemals untergeht.
Begrüßung und Einführung
Liebe Gemeinde,
wir beginnen heute unsere Predigtreihe über Matthäus 24 und 25. Jesus spricht in diesen beiden Kapiteln über die Zukunft Jerusalems, über die Entwicklung der Weltgeschichte, über Zeichen und Täuschungen, über Wachsamkeit und Bereitschaft, über Treue und Verantwortung und schließlich über seine herrliche Wiederkunft.
Diese Worte Jesu sind ernst, aber sie wurden nicht ausgesprochen, um uns in Angst zu versetzen. Jesus möchte uns nicht zu sensationshungrigen Beobachtern machen, die hinter jeder Schlagzeile das nächste prophetische Ereignis vermuten. Er möchte Menschen vorbereiten, die auch dann feststehen, wenn Vertrautes zusammenbricht.
Die Ölbergrede beginnt nicht mit einem fernen Blick in den Himmel, sondern mit dem Blick auf ein Gebäude. Die Jünger zeigen Jesus den Tempel. Sie sehen seine Größe, seine Schönheit und seine scheinbare Unzerstörbarkeit. Jesus sieht jedoch bereits den Tag, an dem von dieser Herrlichkeit nur noch Trümmer übrig sein werden.
Bevor wir Matthäus 24 öffnen, möchte ich uns durch eine erzählerische Illustration in jene Zeit hineinnehmen.
Der Stein in seiner Hand
Die folgende Geschichte ist eine erzählerische Illustration auf der Grundlage der Ereignisse um die Zerstörung Jerusalems.
Der alte Mann stand schweigend auf dem Hügel. Unter ihm lag Jerusalem – oder das, was von Jerusalem übrig geblieben war. Dort, wo sich einst mächtige Mauern erhoben hatten, lagen nun zerbrochene Steine. Häuser waren eingestürzt, Tore verbrannt und ganze Straßenzüge unter Schutt begraben. Über den Trümmern hing noch immer der Geruch von Rauch.
Am schwersten konnte der alte Mann den Anblick des Tempelberges ertragen. Jahrzehntelang hatte der Tempel über der Stadt geleuchtet. Seine weißen Marmorsteine hatten das Sonnenlicht zurückgeworfen. Seine goldenen Verzierungen waren schon von weitem sichtbar gewesen. Pilger waren stehen geblieben, sobald sie ihn erblickten, und hatten voller Ehrfurcht zu Gott gebetet.
Nun war kaum noch etwas davon übrig.
Der Mann hieß Eliakim. Als junger Mann hatte er selbst am Tempel gearbeitet. Er hatte die gewaltigen Steinblöcke gesehen und mit seinen Händen über ihre glatten Flächen gestrichen. Damals hatte ein älterer Baumeister zu ihm gesagt: „Sieh dir diese Steine an, Eliakim. Solange diese Mauern stehen, wird Jerusalem niemals untergehen.“
Eliakim hatte ihm geglaubt. Wer hätte solche Mauern zerstören können? Wer hätte es gewagt, Gottes Tempel anzutasten? Für Eliakim war der Tempel mehr als ein Gebäude gewesen. Er war das sichtbare Zeichen dafür, dass Gott bei seinem Volk wohnte. Solange der Tempel stand, so hatte er gedacht, konnte ihnen nichts geschehen.
Jetzt lag ein Teil dieser scheinbar unzerstörbaren Steine zu seinen Füßen.
Eliakim beugte sich hinunter und hob ein abgebrochenes Stück weißen Marmors auf. Es war schwer. An einer Seite war die Oberfläche noch glatt, an der anderen war der Stein vom Feuer geschwärzt.
Sein Enkel Jonathan, der neben ihm stand, sah zu ihm auf.
„Großvater“, fragte der Junge leise, „war das wirklich einmal ein Teil des Tempels?“
Eliakim nickte.
„Ja. Vielleicht gehörte dieser Stein zu einer Mauer. Vielleicht zu einer Säule. Ich weiß es nicht.“
Jonathan blickte über die zerstörte Stadt.
„Du hast immer gesagt, der Tempel sei das schönste Gebäude der Welt gewesen.“
„Das war er.“
„Warum hat Gott dann zugelassen, dass er zerstört wurde?“
Eliakim antwortete nicht sofort. Die Frage des Jungen traf ihn tief. Es war eine Frage, die auch ihn nicht losließ. Nach einer Weile setzte er sich auf einen größeren Stein. Jonathan nahm neben ihm Platz.
„Viele Jahre vor deiner Geburt“, begann Eliakim, „hörte ich von einem Lehrer aus Galiläa. Er hieß Jesus.“
Der Junge kannte diesen Namen. Seine Eltern hatten ihm von Jesus erzählt. Aber er schwieg und hörte aufmerksam zu.
„Jesus stand damals mit seinen Jüngern vor dem Tempel“, fuhr Eliakim fort. „Die Jünger zeigten ihm die mächtigen Gebäude und die gewaltigen Steine. Sie waren genauso beeindruckt wie wir alle.“
Eliakim sah wieder auf die Ruinen.
„Aber Jesus sagte etwas, das damals niemand glauben wollte.“
„Was sagte er?“, fragte Jonathan.
Der alte Mann hielt das Stück Marmor in seiner Hand und antwortete:
„Seht ihr nicht dies alles? Wahrlich, ich sage euch: Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird.“
Jonathan sah auf den Stein in der Hand seines Großvaters.
„Und es ist wirklich geschehen.“
„Ja“, sagte Eliakim. „Genau so, wie Jesus es vorhergesagt hatte.“
„Hast du ihm damals geglaubt?“
Eliakim senkte den Blick.
„Nein. Ich dachte, es sei unmöglich. Ich vertraute auf die Mauern. Ich vertraute auf die Größe der Stadt. Ich vertraute auf das, was meine Augen sehen konnten.“
Der Junge wartete, während der alte Mann nach Worten suchte.
„Einige Nachfolger Jesu“, erzählte Eliakim weiter, „nahmen seine Warnung ernst. Sie erinnerten sich an seine Worte. Als die römischen Heere kamen und sich später für kurze Zeit zurückzogen, verließen sie die Stadt. Viele Menschen verspotteten sie. Man hielt sie für Feiglinge und Verräter.“
„Aber sie wurden gerettet“, sagte Jonathan.
„Ja. Sie wurden gerettet, weil sie dem Wort Jesu mehr vertrauten als ihren Augen.“
Der Wind strich über den Hügel und wirbelte Staub zwischen den zerbrochenen Steinen auf.
Jonathan zeigte auf das Marmorstück.
„Dann war dieser Stein doch nicht so stark, wie die Menschen dachten.“
Eliakim betrachtete ihn lange.
„Nein. Er war stark. Aber er war nicht ewig.“
Der alte Mann ließ den Stein langsam zu Boden fallen. Dumpf schlug er zwischen den Trümmern auf.
„Das ist die Lektion, die ich sehr spät gelernt habe, Jonathan: Alles, was Menschen bauen, kann fallen.“
Er deutete auf die Stadt.
„Mauern können fallen. Tempel können zerstört werden. Reiche können untergehen. Besitz kann verloren gehen. Menschen, auf die wir uns verlassen, können uns enttäuschen. Sogar unser eigenes Leben kann sich von einem Tag auf den anderen verändern.“
Jonathan rückte näher an seinen Großvater heran.
„Gibt es dann überhaupt etwas, das sicher ist?“
Eliakim legte seinen Arm um den Jungen.
„Ja. Es gibt einen Felsen, der niemals fällt.“
„Welchen Felsen?“
„Jesus.“
Der alte Mann sah seinem Enkel in die Augen.
„Ich habe viele Jahre gebraucht, um das zu verstehen. Jesus hatte nicht nur die Zerstörung vorhergesagt. Er hatte den Menschen auch gesagt, wo sie Sicherheit finden konnten.“
Eliakim zitierte Worte, die er inzwischen auswendig gelernt hatte:
„Jeder nun, der diese meine Worte hört und sie tut, den werde ich mit einem klugen Mann vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute. Und der Platzregen fiel herab, und die Ströme kamen, und die Winde wehten und stürmten gegen jenes Haus; und es fiel nicht, denn es war auf den Felsen gegründet.“
Matthäus 7,24–25
„Die Jünger Jesu wurden also gerettet, weil sie auf den Felsen gebaut hatten?“, fragte Jonathan.
„Ja. Sie hörten seine Worte – und sie handelten danach.“
Eliakim schaute noch einmal auf Jerusalem.
„Viele Menschen kannten den Tempel. Sie bewunderten seine Steine. Sie nahmen an den Gottesdiensten teil. Aber als Jesus zu ihnen sprach, wollten sie nicht auf ihn hören. Sie vertrauten dem Gebäude mehr als dem Herrn des Tempels.“
Jonathan dachte eine Weile nach.
Dann fragte er:
„Großvater, worauf bauen wir unser Haus?“
Der alte Mann lächelte traurig, aber in seinen Augen lag Hoffnung.
„Nicht auf diese Steine“, antwortete er und zeigte auf die Trümmer. „Wir bauen auf das Wort Jesu.“
Die beiden saßen noch lange auf dem Hügel. Vor ihnen lag eine zerstörte Stadt. Hinter ihnen lagen Jahre voller Angst, Flucht und Verlust. Doch inmitten der Trümmer war etwas entstanden, das kein römisches Heer zerstören konnte: ein Vertrauen, das nicht mehr auf sichtbaren Mauern ruhte.
Schließlich stand Eliakim auf und reichte seinem Enkel die Hand.
„Komm“, sagte er. „Wir gehen nach Hause.“
Jonathan sah sich um.
„Wo ist denn jetzt unser Zuhause?“
Eliakim blickte zum Himmel.
„Dort, wo Christus bei uns ist.“
Dann gingen sie gemeinsam den Hügel hinunter. Hinter ihnen blieb der zerbrochene Marmorstein liegen – ein stummer Zeuge dafür, dass selbst die mächtigsten Werke der Menschen vergehen.
Aber die Worte Jesu waren geblieben.
1. Was die Jünger sahen – und was Jesus sah
Diese Geschichte führt uns zu jenem Augenblick zurück, in dem Jesus mit seinen Jüngern den Tempel verließ. Die Jünger sahen gewaltige Steine und eine scheinbar unerschütterliche Zukunft. Jesus aber sah, was kein Mensch sehen konnte.
Wir lesen Matthäus 24,1–2:
„Und Jesus trat hinaus und ging von dem Tempel weg. Und seine Jünger traten zu ihm, um ihn auf die Gebäude des Tempels aufmerksam zu machen. Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Seht ihr nicht dies alles? Wahrlich, ich sage euch: Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird.“
Matthäus 24,1–2
Markus berichtet, wie beeindruckt die Jünger waren:
„Und als er aus dem Tempel heraustrat, sagt einer seiner Jünger zu ihm: Lehrer, siehe, was für Steine und was für Gebäude!“
Markus 13,1
In diesen Worten hören wir echtes Staunen. Der Tempel war das religiöse Zentrum des Volkes, ein nationales Symbol und eines der eindrucksvollsten Bauwerke der damaligen Welt. Einige seiner Steine waren von außergewöhnlicher Größe. Weißer Marmor, goldene Verzierungen und gewaltige Mauern vermittelten den Eindruck, dieses Bauwerk werde für immer bestehen.
Doch Jesus ließ sich nicht vom Glanz der Fassade blenden. Er sah nicht nur, wie der Tempel in jenem Augenblick aussah. Er sah auch, wohin die geistliche Entwicklung des Volkes führen würde.
Wenige Augenblicke zuvor hatte er über Jerusalem geklagt:
„Jerusalem, Jerusalem, die du die Propheten tötest und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel versammelt, und ihr habt nicht gewollt! Siehe, euer Haus wird euch wüst gelassen.“
Matthäus 23,37–38
Jesus freute sich nicht über das kommende Gericht. Er sprach nicht kalt über den Untergang der Stadt. Lukas berichtet:
„Und als er sich näherte und die Stadt sah, weinte er über sie und sprach: Wenn auch du an diesem Tag erkannt hättest, was zu deinem Frieden dient! Jetzt aber ist es vor deinen Augen verborgen.“
Lukas 19,41–42
Derjenige, der die Zerstörung Jerusalems ankündigte, weinte über Jerusalem. Prophetische Verkündigung ohne das Herz Jesu wird hart, stolz und kalt. Jesus sprach über das Gericht, aber er sprach mit Tränen. Er warnte, weil er retten wollte.
Ellen White beschreibt den Blick Jesu auf Jerusalem mit den Worten:
„Die Majestät des Himmels in Tränen! Der Sohn des ewigen Gottes niedergebeugt von Seelenangst!“
Sie betont, dass Christus nicht nur die Stadt, sondern die Folgen der Sünde und die Leiden der gesamten Menschheit vor sich sah. Ellen G. White, Der große Kampf, Kapitel 1: „Die Zerstörung Jerusalems“
Wenn wir über Matthäus 24 sprechen, dürfen wir deshalb nie vergessen, wer hier spricht. Es spricht nicht ein sensationshungriger Prophet, der sich am Untergang der Welt freut. Es spricht der Retter, der über eine verlorene Stadt weint.
2. Die Gefahr einer falschen Sicherheit
Warum waren die Worte Jesu für die Jünger so erschütternd? Weil der Tempel für sie nicht nur ein Gebäude war. Er war Teil ihrer geistlichen Sicherheit.
Die Menschen glaubten: Hier steht Gottes Haus; deshalb kann Jerusalem nichts geschehen. Ein ähnliches Denken hatte es schon zur Zeit Jeremias gegeben. Damals sagte Gott:
„Verlasst euch nicht auf Lügenworte, wenn sie sagen: Der Tempel des HERRN, der Tempel des HERRN, der Tempel des HERRN ist dies! Sondern bessert ernstlich eure Wege und eure Taten.“
Jeremia 7,4–5
Das Volk vertraute auf den Tempel, während es Gottes Willen missachtete. Es behandelte das sichtbare Zeichen der Gegenwart Gottes wie eine Garantie, die unabhängig vom eigenen Verhältnis zu Gott gelten sollte.
Doch ein heiliges Gebäude kann keinen unheiligen Lebensstil schützen. Eine religiöse Tradition kann keine lebendige Beziehung zu Gott ersetzen. Die Zugehörigkeit zu einer Gemeinde ist wertvoll, aber sie rettet uns nicht ohne Christus. Die Kenntnis prophetischer Wahrheit ist ein Geschenk, aber sie kann nicht den persönlichen Gehorsam ersetzen.
Jesus sagte zu den religiösen Führern:
„Ihr erforscht die Schriften, denn ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben, und sie sind es, die von mir zeugen; und ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr Leben habt.“
Johannes 5,39–40
Sie kannten die Schriften, aber sie verwarfen denjenigen, auf den die Schriften hinwiesen. Sie liebten den Tempel, aber sie lehnten den Herrn des Tempels ab.
Auch wir können uns auf Dinge verlassen, die gut und wertvoll sind, aber nicht unser Fundament sein dürfen. Wir können uns auf unsere Gemeindetradition, unsere Bibelkenntnis, unsere Erfahrung, unsere Stellung, unsere Familie oder unsere bisherige Treue stützen. Doch Paulus warnt:
„Daher, wer zu stehen meint, sehe zu, dass er nicht falle.“
1. Korinther 10,12
Unsere Sicherheit liegt nicht darin, dass wir schon lange glauben. Sie liegt nicht darin, dass wir viele Predigten gehört oder prophetische Zusammenhänge verstanden haben. Unsere Sicherheit liegt allein in Christus.
Paulus schreibt:
„Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“
1. Korinther 3,11
Alles andere kann erschüttert werden. Christus bleibt.
3. Gott wohnt nicht in Steinen, sondern bei seinem Volk
Der Tempel hatte eine von Gott gegebene Bedeutung. Er erinnerte Israel an Gottes Gegenwart, an das Opfer, an Vergebung und an den kommenden Messias. Doch der Tempel war nie als Ersatz für Gott gedacht.
Salomo erkannte schon bei der Einweihung des ersten Tempels:
„Aber sollte Gott wirklich bei den Menschen auf der Erde wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen; wie viel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe!“
2. Chronik 6,18
Gott ließ seine Herrlichkeit im Tempel sichtbar werden, aber er war nicht in ein Gebäude eingeschlossen. Als Jesus kam, stand der wahre Tempel Gottes mitten unter dem Volk.
Johannes schreibt:
„Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“
Johannes 1,14
Jesus sagte über sich selbst:
„Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen werde ich ihn aufrichten.“
Johannes 2,19
Johannes erklärt:
„Er aber sprach von dem Tempel seines Leibes.“
Johannes 2,21
Der irdische Tempel konnte zerstört werden. Christus wurde gekreuzigt, aber am dritten Tag stand er aus dem Grab auf. Damit zeigte Gott: Seine Gegenwart, sein Erlösungsplan und sein Reich sind nicht von einem menschlichen Gebäude abhängig.
Nach der Auferstehung und Himmelfahrt Jesu wurde die Gemeinde zum Tempel des Heiligen Geistes. Paulus schreibt:
„Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“
1. Korinther 3,16
Und Petrus sagt:
„Lasst euch auch selbst als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um geistliche Opfer darzubringen, Gott wohlannehmbar durch Jesus Christus.“
1. Petrus 2,5
Gottes Werk hängt nicht an Marmorsteinen. Seine Gemeinde besteht aus lebendigen Steinen – aus Menschen, in denen Christus wohnt.
Kirchengebäude können geschlossen, beschädigt oder zerstört werden. Institutionen können erschüttert werden. Strukturen können sich verändern. Aber solange Menschen an Christus festhalten, beten, sein Wort verkündigen und einander dienen, lebt die Gemeinde Gottes.
Jesus sagt:
„Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.“
Matthäus 18,20
Der wahre Reichtum einer Gemeinde besteht deshalb nicht zuerst in ihrem Gebäude, ihrer Technik, ihrem Programm oder ihrer gesellschaftlichen Stellung. Ihr größter Schatz ist die Gegenwart Jesu.
4. Was geschieht, wenn unsere Sicherheiten fallen?
Die Worte Jesu über den Tempel stellen auch uns eine persönliche Frage: Was geschieht mit unserem Glauben, wenn das, worauf wir uns verlassen haben, plötzlich zusammenbricht?
Manche Menschen bauen ihre Sicherheit auf Besitz. Jesus erzählt von einem reichen Mann, dessen Felder große Erträge gebracht hatten. Dieser Mann sagte:
„Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will dort all mein Getreide und meine Güter sammeln; und ich will zu meiner Seele sagen: Seele, du hast viele Güter liegen auf viele Jahre. Ruhe aus, iss, trink, sei fröhlich!“
Lukas 12,18–19
Aber Gott antwortete:
„Du Narr! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Was du aber bereitet hast, für wen wird es sein?“
Lukas 12,20
Das Problem des Mannes war nicht, dass seine Felder gut getragen hatten. Sein Problem war, dass sein Besitz zu seinem Fundament geworden war. Seine Scheunen waren voll, aber seine Seele war leer.
Andere bauen auf ihre Gesundheit. Doch eine einzige Diagnose kann das ganze Leben verändern. Manche bauen auf ihren Beruf, bis eine Kündigung ihre Identität erschüttert. Manche bauen auf menschliche Beziehungen, bis sie enttäuscht oder verlassen werden. Andere bauen auf politische Stabilität, wirtschaftlichen Fortschritt oder die vermeintliche Sicherheit ihrer Gesellschaft.
Die Bibel verbietet uns nicht, verantwortlich zu planen. Sie warnt uns jedoch davor, vergängliche Dinge zu unserem letzten Halt zu machen.
David schreibt:
„Die einen gedenken an Wagen und die anderen an Rosse; wir aber gedenken an den Namen des HERRN, unseres Gottes. Jene krümmen sich und fallen; wir aber stehen und halten uns aufrecht.“
Psalm 20,8–9
Und der Prophet Jeremia sagt:
„Verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut und Fleisch zu seinem Arm macht und dessen Herz vom HERRN weicht! Gesegnet ist der Mann, der auf den HERRN vertraut und dessen Vertrauen der HERR ist!“
Jeremia 17,5.7
Es ist möglich, dass Gott bestimmte Sicherheiten erschüttern muss, damit wir erkennen, worauf wir tatsächlich gebaut haben. Das bedeutet nicht, dass jedes Leid eine direkte Strafe Gottes ist. Aber Gott kann selbst schwere Erfahrungen dazu gebrauchen, uns näher zu sich zu ziehen.
Paulus berichtet von einer solchen Erfahrung:
„Denn wir wollen euch nicht in Unkenntnis lassen, Brüder, über unsere Bedrängnis, die uns in Asia widerfahren ist, dass wir übermäßig beschwert wurden, über Vermögen, sodass wir sogar am Leben verzweifelten. Wir selbst aber hatten in uns selbst schon das Urteil des Todes erhalten, damit wir nicht auf uns selbst vertrauten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt.“
2. Korinther 1,8–9
Paulus kam an das Ende seiner eigenen Kraft. Dort lernte er, nicht auf sich selbst, sondern auf den Gott zu vertrauen, der Tote auferweckt.
Vielleicht fragst du dich heute: Warum hat Gott zugelassen, dass etwas in meinem Leben zusammengebrochen ist? Warum ist eine Tür geschlossen worden? Warum hat eine Beziehung nicht gehalten? Warum ist eine Hoffnung zerbrochen?
Wir werden nicht auf jede Frage sofort eine Antwort erhalten. Aber wir dürfen wissen: Wenn unsere sichtbaren Sicherheiten fallen, fällt Christus nicht.
5. Das Haus auf dem Felsen
Am Ende der Bergpredigt erzählt Jesus von zwei Männern. Beide bauten ein Haus. Beide erlebten denselben Sturm. Der entscheidende Unterschied lag nicht in der Schönheit des Hauses, sondern in seinem Fundament.
Jesus sagt:
„Jeder nun, der diese meine Worte hört und sie tut, den werde ich mit einem klugen Mann vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute. Und der Platzregen fiel herab, und die Ströme kamen, und die Winde wehten und stürmten gegen jenes Haus; und es fiel nicht, denn es war auf den Felsen gegründet.“
Matthäus 7,24–25
Dann beschreibt Jesus das zweite Haus:
„Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, der wird mit einem törichten Mann zu vergleichen sein, der sein Haus auf den Sand baute. Und der Platzregen fiel herab, und die Ströme kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel, und sein Fall war groß.“
Matthäus 7,26–27
Beide Männer hörten die Worte Jesu. Der Unterschied bestand nicht zwischen einem Bibelkenner und einem Menschen, der nie etwas von Gott gehört hatte. Beide hörten. Aber nur einer handelte danach.
Auf Christus zu bauen bedeutet deshalb mehr, als richtigen Lehren intellektuell zuzustimmen. Es bedeutet, seinem Wort zu gehorchen.
Wenn Jesus sagt: „Vergib“, dann baue ich auf den Felsen, indem ich vergebe.
Wenn Jesus sagt: „Sucht zuerst Gottes Reich“, dann baue ich auf den Felsen, indem ich meine Prioritäten neu ordne.
Wenn Jesus sagt: „Liebt eure Feinde“, dann baue ich auf den Felsen, indem ich nicht Hass und Rache pflege.
Wenn Gott sagt: „Gedenke des Sabbattages, ihn zu heiligen“, dann baue ich auf den Felsen, indem ich seinem Gebot vertraue.
Wenn Jesus sagt: „Wacht“, dann baue ich auf den Felsen, indem ich geistlich wach bleibe.
Der Sturm zeigt nicht erst, welches Fundament wir brauchen. Er offenbart, welches Fundament wir bereits gewählt haben. Darum beginnt die Vorbereitung auf kommende Krisen nicht erst dann, wenn die Krise da ist. Sie beginnt heute in den scheinbar kleinen Entscheidungen des Glaubens.
„Wer im Geringsten treu ist, ist auch in vielem treu.“
Lukas 16,10
6. Ein Reich, das nicht erschüttert werden kann
Die Zerstörung Jerusalems zeigt uns, dass selbst beeindruckende religiöse und politische Systeme fallen können. Doch die Bibel spricht von einem Reich, das niemals untergehen wird.
Daniel sah in einer Vision die aufeinanderfolgenden Reiche der Weltgeschichte. Babylon, Medo-Persien, Griechenland und Rom kamen und gingen. Dann sah er ein anderes Reich:
„Und in den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das ewig nicht zerstört werden wird. Und das Königreich wird keinem anderen Volk überlassen werden; es wird all jene Königreiche zermalmen und vernichten, selbst aber wird es ewig bestehen.“
Daniel 2,44
Die Reiche dieser Welt entstehen, erreichen den Höhepunkt ihrer Macht und verschwinden. Grenzen verändern sich, Regierungen wechseln, Systeme brechen zusammen. Das Reich Gottes jedoch bleibt.
Hebräer 12 beschreibt eine letzte große Erschütterung:
„Dessen Stimme erschütterte damals die Erde; jetzt aber hat er verheißen und gesagt: Noch einmal werde ich nicht nur die Erde bewegen, sondern auch den Himmel. Aber das ‚noch einmal‘ deutet die Verwandlung der Dinge an, die als geschaffene erschüttert werden, damit die unerschütterlichen bleiben.“
Hebräer 12,26–27
Dann folgt unser Leitvers:
„Deshalb lasst uns, da wir ein unerschütterliches Reich empfangen, dankbar sein, wodurch wir Gott wohlgefällig dienen mit Scheu und Furcht!“
Hebräer 12,28
Wir empfangen ein unerschütterliches Reich. Das bedeutet nicht, dass wir als Christen keine Erschütterungen erleben. Es bedeutet, dass die Erschütterungen nicht unser letztes Wort sind.
Paulus schreibt:
„Wir sind in allem bedrängt, aber nicht erdrückt; keinen Ausweg sehend, aber nicht ohne Ausweg; verfolgt, aber nicht verlassen; niedergeworfen, aber nicht vernichtet.“
2. Korinther 4,8–9
Warum werden wir nicht vernichtet? Weil unser Leben in Christus verborgen ist.
„Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott.“
Kolosser 3,3
Unser Eigentum kann verloren gehen, aber unser Erbe im Himmel bleibt. Unser Körper kann schwach werden, aber der innere Mensch kann erneuert werden. Menschen können uns ablehnen, aber Christus verlässt uns nicht. Selbst der Tod kann uns nicht von seiner Liebe trennen.
„Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Mächte, weder Höhe noch Tiefe noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“
Römer 8,38–39
Das ist die Sicherheit des Christen. Nicht die Abwesenheit von Erschütterungen, sondern die unzerstörbare Gegenwart Christi.
7. Von der Zerstörung Jerusalems zum Ende der Welt
Nachdem Jesus die Zerstörung des Tempels angekündigt hatte, gingen die Jünger mit ihm auf den Ölberg.
„Als er aber auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger für sich allein zu ihm und sprachen: Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters?“
Matthäus 24,3
In ihrer Frage verbanden sie die Zerstörung Jerusalems mit der Wiederkunft Jesu und dem Ende der Welt. Jesus beantwortete ihre Frage so, dass seine Worte sowohl die damaligen Ereignisse als auch die Entwicklung bis zum Ende der Welt umfassten.
Ellen White erklärt:
„Die von ihm ausgesprochene Prophezeiung galt einem doppelten Geschehen.“
Sie bezog sich auf die Zerstörung Jerusalems und wies zugleich auf die Ereignisse vor der Wiederkunft hin. Ellen G. White, Der große Kampf, Kapitel 1
Jerusalem wurde damit zu einem warnenden Beispiel. Die Stadt besaß große religiöse Vorrechte, aber ihre Bewohner verwarfen die Stimme Jesu. Sie hatten den Tempel, aber sie lehnten den Messias ab. Sie hielten an den äußeren Formen fest, während sie den inneren Ruf zur Umkehr zurückwiesen.
Auch vor dem Ende der Welt werden Menschen sichtbaren Sicherheiten mehr vertrauen als dem Wort Gottes. Jesus warnt:
„Denn wie sie in den Tagen vor der Flut waren: Sie aßen und tranken, sie heirateten und verheirateten bis zu dem Tag, da Noah in die Arche ging, und sie erkannten es nicht, bis die Flut kam und alle wegraffte, so wird auch die Ankunft des Sohnes des Menschen sein.“
Matthäus 24,38–39
Essen, Trinken und Heiraten waren nicht sündig. Das Problem war, dass die Menschen vollständig in ihrem Alltag aufgingen und Gottes Warnung ignorierten. Sie lebten, als würde die gegenwärtige Welt für immer bestehen.
Petrus erinnert uns:
„Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. Seid nun besonnen und seid nüchtern zum Gebet!“
1. Petrus 4,7
Die richtige Reaktion auf prophetische Erkenntnis ist nicht Panik, sondern Nüchternheit und Gebet. Paulus sagt:
„Also lasst uns nun nicht schlafen wie die Übrigen, sondern wachen und nüchtern sein!“
1. Thessalonicher 5,6
Matthäus 24 soll uns nicht dazu bringen, ständig ängstlich auf die Welt zu schauen. Es soll uns dazu bewegen, treuer auf Jesus zu schauen.
8. Wir erwarten nicht nur ein Ereignis – wir erwarten unseren Herrn
Die christliche Hoffnung richtet sich nicht nur auf das Ende einer alten Welt. Sie richtet sich auf die Wiederkunft einer Person.
Jesus sagt:
„Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin.“
Johannes 14,3
Beachten wir die persönliche Sprache Jesu: „Ich komme wieder. Ich werde euch zu mir nehmen. Ihr sollt sein, wo ich bin.“
Wir warten nicht nur darauf, dass sich eine prophetische Tabelle erfüllt. Wir warten auf Jesus.
Wir erwarten nicht nur ein Ereignis. Wir erwarten unseren Herrn.
Paulus schreibt:
„Denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels und bei dem Schall der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen; danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein.“
1. Thessalonicher 4,16–17
Der Mittelpunkt dieses Textes lautet nicht: Posaune, Wolken oder dramatische Ereignisse. Sein Mittelpunkt lautet:
„So werden wir allezeit beim Herrn sein.“
Das ist unsere Hoffnung. Jesus kommt, um die Seinen zu sich zu nehmen.
Matthäus 24 beschreibt Erschütterungen, Kriege, Hungersnöte, Verfolgung und Verführung. Doch das Kapitel endet nicht in der Finsternis. Jesus sagt:
„Und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit. Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her.“
Matthäus 24,30–31
Die Weltgeschichte läuft nicht auf das Chaos zu, sondern auf die Wiederkunft des Königs. Das Böse wird nicht das letzte Wort haben. Christus wird kommen, die Toten auferwecken, sein Volk sammeln und sein ewiges Reich sichtbar aufrichten.
Darum sagt Jesus:
„Wenn aber diese Dinge anfangen zu geschehen, so blickt auf und hebt eure Häupter empor, weil eure Erlösung naht.“
Lukas 21,28
9. Was bleibt, wenn alles andere fällt?
Liebe Gemeinde, vielleicht halten auch wir bestimmte Dinge für unerschütterlich. Unsere Häuser, unsere Ersparnisse, unsere Gesundheit, unsere berufliche Stellung, unsere gesellschaftliche Ordnung oder sogar unsere religiösen Einrichtungen.
Wir betrachten sie und denken: Das wird bleiben.
Doch Jesus fragt uns heute nicht, wie eindrucksvoll unser Haus aussieht. Er fragt, auf welchem Fundament es steht.
Was bleibt, wenn Besitz verloren geht?
Was bleibt, wenn Gesundheit schwindet?
Was bleibt, wenn Menschen uns enttäuschen?
Was bleibt, wenn vertraute Strukturen zerbrechen?
Was bleibt, wenn kein Stein auf dem anderen bleibt?
David antwortet:
„Gott ist uns Zuflucht und Stärke, als Hilfe in Nöten reichlich gefunden. Darum fürchten wir uns nicht, wenn auch die Erde erbebt und die Berge mitten ins Meer wanken.“
Psalm 46,2–3
Und Jesaja sagt:
„Vertraut auf den HERRN für immer! Denn in Jah, dem HERRN, ist ein Fels der Ewigkeiten.“
Jesaja 26,4
Christus ist dieser ewige Fels. Er war da, bevor der erste Stein des Tempels gelegt wurde. Er blieb, nachdem der letzte Stein gefallen war. Er war da, bevor die Reiche dieser Welt entstanden. Und er wird regieren, wenn sie alle vergangen sind.
„Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit.“
Hebräer 13,8
Die Frage dieser ersten Predigt lautet deshalb nicht: Wann wird die nächste Krise kommen? Die tiefere Frage lautet:
Worauf ist mein Leben gebaut?
10. Wie bauen wir heute auf den Felsen?
Auf Christus zu bauen ist keine einmalige emotionale Entscheidung ohne Folgen für den Alltag. Es ist ein Leben des beständigen Vertrauens und Gehorsams.
Wir bauen auf den Felsen, indem wir Gottes Wort nicht nur lesen, sondern danach handeln:
„Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen!“
Jakobus 1,22
Wir bauen auf den Felsen, indem wir im Gebet mit Christus verbunden bleiben:
„Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt!“
Matthäus 26,41
Wir bauen auf den Felsen, indem wir unsere Sünden bekennen und nicht verbergen:
„Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit.“
1. Johannes 1,9
Wir bauen auf den Felsen, indem wir Gottes Reich an die erste Stelle setzen:
„Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles wird euch hinzugefügt werden.“
Matthäus 6,33
Wir bauen auf den Felsen, indem wir in der Liebe bleiben:
„Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“
Johannes 13,35
Und wir bauen auf den Felsen, indem wir unsere Hoffnung nicht an diese Welt binden:
„Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“
Hebräer 13,14
Das bedeutet nicht, dass wir unsere irdischen Aufgaben vernachlässigen. Gerade weil wir auf das kommende Reich warten, sollen wir heute treu arbeiten, Menschen lieben, Verantwortung übernehmen und das Evangelium verkündigen.
Jesus verbindet Matthäus 24 unmittelbar mit Matthäus 25. Auf die Aufforderung zur Wachsamkeit folgen die Gleichnisse von den zehn Jungfrauen, den anvertrauten Talenten und dem Gericht über die Völker. Bereits hier wird deutlich: Bereit sein heißt nicht, untätig auf den Himmel zu schauen. Bereit sein heißt, mit brennender Lampe zu warten, die anvertrauten Gaben einzusetzen und Christus in den Bedürftigen zu dienen.
Schluss: Der Stein fällt – das Wort bleibt
Kehren wir noch einmal zu Eliakim und seinem Enkel zurück. Der alte Mann hielt einen Stein des Tempels in der Hand. Dieser Stein hatte einmal zu einem Gebäude gehört, das unzerstörbar schien.
Dann ließ Eliakim ihn fallen.
Der Stein blieb zwischen den Trümmern liegen. Aber die Worte Jesu hatten sich erfüllt und waren geblieben.
Jesus sagt:
„Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen.“
Matthäus 24,35
Der Tempel verging. Das Wort Jesu blieb.
Jerusalem wurde erschüttert. Das Wort Jesu blieb.
Reiche stiegen auf und fielen. Das Wort Jesu blieb.
Auch Himmel und Erde werden vergehen. Das Wort Jesu bleibt.
Wenn unser Leben auf diesem Wort gegründet ist, besitzen wir eine Hoffnung, die keine Krise zerstören kann.
Vielleicht ist in deinem Leben bereits etwas gefallen, das du für unerschütterlich gehalten hast. Vielleicht stehst du vor den Trümmern einer Hoffnung, einer Beziehung, eines Planes oder eines Lebensabschnittes. Dann sagt Jesus nicht: „Tu so, als wäre nichts geschehen.“ Er lädt dich ein, mitten in den Trümmern einen neuen Grund zu finden.
Nicht den Stein in deiner Hand.
Nicht das, was du selbst aufgebaut hast.
Nicht deine eigene Kraft.
Sondern Christus.
„Denn einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“
1. Korinther 3,11
Aufruf
Ich möchte heute drei Fragen stellen.
Die erste lautet:
Gibt es in meinem Leben etwas, dem ich mehr vertraue als Jesus?
Vielleicht ist es Besitz, Gesundheit, Erfolg, ein Mensch, eine religiöse Tradition oder die eigene Erfahrung.
Die zweite Frage lautet:
Höre ich die Worte Jesu nur, oder handle ich auch danach?
Das Haus auf dem Felsen wird nicht von demjenigen gebaut, der Jesu Worte nur kennt, sondern von demjenigen, der sie hört und tut.
Die dritte Frage lautet:
Bin ich bereit, meine Zukunft vollständig in die Hände Christi zu legen?
Vielleicht weißt du nicht, welche Erschütterungen noch kommen werden. Aber du kannst heute wissen, wer dich durch sie hindurchtragen wird.
Wenn du sagen möchtest: „Herr Jesus, ich möchte mein Leben neu auf dich bauen“, dann mache diesen Entschluss jetzt in deinem Herzen fest.
Wenn du erkennst, dass etwas anderes zu deinem Fundament geworden ist, dann bringe es Jesus.
Und wenn du gerade vor den Trümmern einer zerbrochenen Hoffnung stehst, dann sage ihm:
„Herr, ich verstehe meinen Weg nicht. Aber ich vertraue dir. Du bist mein Fels.“
Schlussgebet
Herr Jesus Christus,
wir danken dir, dass du derselbe bist gestern, heute und in Ewigkeit. Himmel und Erde werden vergehen, aber deine Worte werden niemals vergehen.
Vergib uns, wenn wir unsere Sicherheit in Dingen gesucht haben, die nicht bleiben können. Vergib uns, wenn Besitz, Gesundheit, Menschen, Traditionen oder unsere eigene Kraft wichtiger geworden sind als du.
Lehre uns, unser Leben auf den Felsen zu bauen. Hilf uns, dein Wort nicht nur zu hören, sondern danach zu handeln. Schenke uns einen Glauben, der nicht nur in ruhigen Zeiten besteht, sondern auch dann, wenn Stürme kommen und vertraute Sicherheiten fallen.
Wir bitten dich für alle, die heute vor den Trümmern einer Hoffnung stehen. Sei den Trauernden nahe, stärke die Kranken, tröste die Einsamen und schenke denen neue Hoffnung, die keinen Weg mehr sehen.
Bewahre deine Gemeinde vor falscher Sicherheit. Lass uns nicht nur eine äußere Form der Frömmigkeit besitzen, sondern eine lebendige Beziehung zu dir. Erfülle uns mit deinem Heiligen Geist und mache uns zu lebendigen Steinen in deinem geistlichen Haus.
Bereite uns auf deine Wiederkunft vor. Lass uns wachsam sein, ohne Angst zu haben; nüchtern, ohne kalt zu werden; treu, ohne stolz zu sein; und hoffnungsvoll, weil du wiederkommst.
Herr, wenn alles andere erschüttert wird, halte uns fest. Wenn kein Stein auf dem anderen bleibt, lass uns auf dem ewigen Felsen stehen.
Denn wir erwarten nicht nur ein Ereignis.
Wir erwarten dich, unseren Herrn.
In deinem Namen beten wir.
Amen.
