🌾 Sabbatschule kompakt
Die Wochenlektion verstehen, vertiefen und leben.
✉️ DIE KORINTHERBRIEFE
🤝 Lektion 3 – Einheit in Christus
📅 Studienwoche: 11.–17. Juli 2026
🕊️ Sabbat: 18. Juli 2026
🏛️ 3. Vierteljahr 2026: 1. und 2. Korinther
Die dritte Lektion führt uns zu einem Problem, das die Gemeinde in Korinth tief erschütterte und bis heute nichts von seiner Aktualität verloren hat: Christen, die eigentlich durch Christus miteinander verbunden waren, begannen sich in Gruppen aufzuteilen und sich an unterschiedlichen menschlichen Leitern zu orientieren. Paulus erkennt darin weit mehr als eine harmlose Meinungsverschiedenheit. Für ihn steht die Frage im Raum, wer tatsächlich im Mittelpunkt der Gemeinde steht. Deshalb führen 1. Korinther 1–4 von den Parteiungen in Korinth über geistliche Reife und christusähnliche Dienerschaft bis zu einer neuen Vorstellung geistlicher Leitung. Die Antwort auf die Zerrissenheit lautet nicht Gleichförmigkeit, sondern Einheit in Christus.
💎 Merkvers
„Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr alle mit einer Stimme redet und lasst keine Spaltungen unter euch sein, sondern haltet aneinander fest in einem Sinn und in einer Meinung.“
1. Korinther 1,10
Paulus beginnt seine Ermahnung bewusst „im Namen unseres Herrn Jesus Christus“. Damit zeigt er bereits, wo die Lösung liegt. Die Korinther werden nicht dadurch eins, dass alle dieselbe Persönlichkeit haben, dieselben Begabungen besitzen oder über jede Einzelheit identisch denken. Ihre Einheit entsteht daraus, dass sie gemeinsam einem Herrn gehören. Christus ist nicht geteilt, und deshalb darf eine Gemeinde, deren Mittelpunkt Christus ist, sich nicht um menschliche Persönlichkeiten herum in konkurrierende Lager aufspalten.
Einheit bedeutet dabei nicht Uniformität. Die Gemeinde darf unterschiedliche Menschen, Erfahrungen, Charaktere und Aufgaben umfassen. Entscheidend ist, dass diese Verschiedenheit nicht zur Konkurrenz wird, sondern sich Christus unterordnet und seinem gemeinsamen Auftrag dient.
🧭 Worum geht es?
In Korinth hatten sich Gruppen gebildet, die sich mit verschiedenen geistlichen Persönlichkeiten identifizierten. Einige sagten: „Ich gehöre zu Paulus“, andere: „Ich zu Apollos“, wieder andere beriefen sich auf Kephas, also Petrus, und eine weitere Gruppe erklärte: „Ich zu Christus.“ Was zunächst wie unterschiedliche Vorlieben für Prediger erscheinen könnte, war für Paulus ein ernstes geistliches Problem. Menschen, die zur selben Gemeinde gehörten, machten ihre Zugehörigkeit zunehmend an menschlichen Leitern fest.
Paulus beantwortet diese Haltung mit drei eindringlichen Fragen: Ist Christus etwa zerteilt? Ist Paulus für euch gekreuzigt worden? Seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden? Die Antwort ist offensichtlich. Kein Apostel, Prediger oder Lehrer kann den Platz einnehmen, der allein Christus gehört.
Darin liegt ein wichtiger Gedanke für jede christliche Gemeinde. Gute geistliche Leiter sind ein Geschenk Gottes. Wir dürfen sie achten, von ihnen lernen und ihren Dienst unterstützen. Problematisch wird es dort, wo die Verbindung zu einer bestimmten Persönlichkeit stärker wird als die gemeinsame Verbindung zu Christus. Aus Dankbarkeit kann Personenkult entstehen, aus Vorlieben können Lager werden und aus theologischen Akzenten Identitätsmerkmale, durch die Christen beginnen, sich voneinander abzugrenzen.
Paulus behandelt deshalb in den ersten Kapiteln des Korintherbriefes nicht nur die Frage, wie Streit beendet werden kann. Er führt die Gemeinde zu einer tieferen Diagnose: Spaltung offenbart ein Problem geistlicher Reife. Wo Christus wirklich die Mitte ist, verlieren menschlicher Stolz, Konkurrenz und das Bedürfnis, sich durch eine bestimmte Gruppe aufzuwerten, zunehmend ihre Macht.
📖 Die Lektion auf einen Blick
Das erste Problem, das Paulus nach der Einleitung seines Briefes ausführlich behandelt, sind die Parteiungen innerhalb der Gemeinde. Das zeigt bereits, wie ernst er sie nimmt. Spaltungen zerstören nicht nur die Atmosphäre einer Gemeinschaft, sondern verdunkeln das Bild Christi, das die Gemeinde nach außen vermitteln soll. Wenn Christen miteinander um Einfluss kämpfen, während sie gleichzeitig die versöhnende Botschaft des Evangeliums verkündigen, entsteht ein schmerzhafter Widerspruch zwischen Botschaft und Leben.
Bemerkenswert ist, dass Paulus seine eigene Person ausdrücklich aus dem Mittelpunkt nimmt. Obwohl einige Gemeindeglieder sich gerade auf ihn beriefen, nutzt er diese Unterstützung nicht zur Stärkung seiner Stellung. Im Gegenteil: Er erinnert sie daran, dass er nicht für sie gekreuzigt wurde und dass ihre Taufe sie nicht mit Paulus, sondern mit Christus verbunden hat. Wahre geistliche Leitung versucht deshalb nicht, Menschen an sich selbst zu binden, sondern führt sie zu Christus.
Paulus geht anschließend noch tiefer und verbindet die Parteiungen mit geistlicher Unreife. In 1. Korinther 3 erklärt er den Korinthern, dass Eifersucht und Streit zeigen, dass sie sich noch wie geistliche Kinder verhalten. Obwohl sie sich offenbar auf Weisheit, Erkenntnis und bedeutende Lehrer etwas einbildeten, verriet gerade ihre Konkurrenz, wie wenig sie bereits vom Wesen Christi verstanden hatten. Geistliche Reife lässt sich deshalb nicht allein daran messen, wie viele biblische Informationen ein Mensch besitzt oder wie überzeugend er theologische Positionen vertreten kann. Sie zeigt sich ebenso darin, wie er mit anderen Menschen umgeht.
Paulus stellt der menschlichen Konkurrenz die Weisheit Gottes gegenüber. Diese Weisheit ist in Christus und besonders im Kreuz sichtbar geworden. Der gekreuzigte Christus suchte nicht seine eigene Erhöhung, sondern erniedrigte sich zum Heil anderer. Deshalb kann eine Gemeinde, die vom Kreuz geprägt ist, nicht gleichzeitig dauerhaft von Selbstbehauptung und Rivalität bestimmt werden. Wer Christus ähnlicher wird, muss nicht ständig beweisen, dass seine Gruppe, seine Meinung oder seine bevorzugte Persönlichkeit wichtiger ist als die anderen.
Hier setzt auch Philipper 2 an. Paulus beschreibt dort die Gesinnung Christi, der sich selbst erniedrigte und die Gestalt eines Dieners annahm. Genau diese Gesinnung braucht eine Gemeinde, wenn Einheit wachsen soll. Einheit entsteht nicht dadurch, dass sich die stärkste Gruppe durchsetzt und alle anderen nachgeben müssen. Sie wächst dort, wo Menschen bereit werden, das eigene Ego zurückzustellen, einander zu achten und gemeinsam nach dem Willen Christi zu fragen.
Das verändert auch den Blick auf geistliche Leiter. Paulus bezeichnet sich und seine Mitarbeiter in 1. Korinther 4 als Diener Christi und Haushalter der Geheimnisse Gottes. Ein Haushalter verwaltet etwas, das ihm nicht selbst gehört. Die Gemeinde gehört deshalb weder Paulus noch Apollos noch Petrus und auch keinem späteren Prediger, Pastor oder Gemeindeleiter. Sie gehört Christus. Jeder geistliche Leiter arbeitet mit etwas, das ihm anvertraut wurde, und muss letztlich vor Gott Rechenschaft darüber ablegen.
Damit stellt Paulus eine völlig andere Vorstellung von Leitung der damaligen Kultur gegenüber. In der griechisch-römischen Welt spielten Ansehen, Einfluss, gesellschaftlicher Rang und öffentliche Anerkennung eine große Rolle. Die Korinther waren offenbar versucht, dieselben Maßstäbe auf christliche Leiter anzuwenden. Paulus dagegen verweist auf einen Dienst, der von Demut, Treue und sogar Leiden gekennzeichnet ist. Er selbst hatte Verfolgung, Hunger, Entbehrung, Misshandlung und Ablehnung erlebt. Das Evangelium hatte ihn nicht zum religiösen Star gemacht, sondern zu einem Diener, der bereit war, für andere einen hohen Preis zu bezahlen.
Gerade darin zeigt sich ein wesentliches Kennzeichen christlicher Führung: Sie fragt nicht zuerst danach, wie viel Einfluss ein Mensch besitzt, sondern wie treu er Christus dient. Sie sucht nicht die eigene Größe, sondern das Wohl der Menschen, die Gott ihr anvertraut hat. Deshalb kann Paulus einerseits die Gemeinde auffordern, ihre Leiter zu achten, und andererseits jede Form von Personenkult entschieden zurückweisen.
🔎 Ein Gedanke tiefer
Einheit ist nicht dasselbe wie Gleichförmigkeit
Die Aufforderung des Paulus, „in einem Sinn und in einer Meinung“ verbunden zu sein, kann missverstanden werden, als sollten Christen in jeder Frage exakt dasselbe denken. Doch Paulus selbst beschreibt die Gemeinde später als einen Leib mit vielen unterschiedlichen Gliedern. Das Auge ist nicht die Hand, der Fuß nicht das Ohr, und trotzdem gehören alle zu demselben Leib. Gerade ihre Verschiedenheit ermöglicht es dem Körper, seine Aufgabe zu erfüllen.
Christliche Einheit bedeutet deshalb nicht, Persönlichkeit, Begabung, Kultur oder jede unterschiedliche Einschätzung auszulöschen. Sie bedeutet, dass alle Unterschiede einer höheren Wirklichkeit untergeordnet werden: Wir gehören Christus.
Das ist anspruchsvoller als Gleichförmigkeit. Gleichförmigkeit kann man durch äußeren Druck herstellen. Einheit muss im Herzen wachsen. Sie verlangt, dass ein Mensch unterscheiden lernt zwischen einer biblischen Wahrheit, für die er treu einstehen soll, und einer persönlichen Vorliebe, die er nicht zum Maßstab für alle anderen machen darf. Sie verlangt die Demut, dem anderen zuzuhören, ohne sofort jede Abweichung als Bedrohung zu empfinden.
Genau deshalb ist geistliche Reife so eng mit Einheit verbunden. Ein unreifer Glaube braucht häufig die Bestätigung der eigenen Gruppe. Er gewinnt Sicherheit daraus, dass „wir“ richtig liegen und „die anderen“ falsch. Ein reifer Glaube dagegen ist so tief in Christus verwurzelt, dass er klare Überzeugungen besitzen und zugleich Menschen lieben kann, die manche Dinge anders sehen.
Einheit bedeutet also weder Beliebigkeit noch Aufgabe der Wahrheit. Echte christliche Einheit entsteht auf der Grundlage der Wahrheit und in der Gesinnung Christi. Wahrheit ohne Liebe kann hart und spaltend werden; Liebe ohne Wahrheit verliert Orientierung. In Christus begegnen sich beides.
🔗 Die Bibel erklärt die Bibel
Philipper 2,3–8 zeigt besonders deutlich, welche innere Haltung Einheit möglich macht. Paulus fordert die Gläubigen auf, nichts aus selbstsüchtigem Ehrgeiz oder leerem Ruhm zu tun und verweist anschließend auf Jesus, der sich selbst erniedrigte und Dienergestalt annahm. Die Lösung für Konkurrenz besteht deshalb nicht zuerst darin, bessere organisatorische Regeln zu entwickeln, sondern die Gesinnung Christi anzunehmen.
Epheser 4,1–6 ergänzt diesen Gedanken. Dort verbindet Paulus die Einheit der Gemeinde mit Demut, Sanftmut, Geduld und gegenseitigem Ertragen in Liebe. Der Grund dafür liegt wiederum nicht in menschlicher Sympathie, sondern in einer gemeinsamen geistlichen Wirklichkeit: ein Leib, ein Geist, eine Hoffnung, ein Herr, ein Glaube und eine Taufe.
Johannes 17 führt uns schließlich zum Gebet Jesu für seine Jünger. Christus bittet um ihre Einheit und verbindet sie unmittelbar mit dem Zeugnis gegenüber der Welt. Einheit besitzt damit eine missionarische Dimension. Eine Gemeinde, deren Mitglieder trotz unterschiedlicher Hintergründe in echter Liebe miteinander verbunden sind, zeigt etwas vom verändernden Charakter des Evangeliums. Umgekehrt kann anhaltender Streit die Glaubwürdigkeit derselben Botschaft erheblich schwächen.
💬 Fragen zum Nachdenken
Wann wird die Wertschätzung eines geistlichen Leiters zum Personenkult? Dankbarkeit für gute Prediger, Lehrer oder Gemeindeleiter ist gesund. Problematisch wird sie dort, wo Kritik an einer Person als Angriff auf den Glauben empfunden wird, wo andere Leiter abgewertet werden oder wo die eigene geistliche Identität stärker mit einem Menschen als mit Christus verbunden ist. Paulus selbst zeigt den richtigen Weg, indem er jede übertriebene Bindung an seine Person zurückweist.
Woran erkennt man geistliche Reife? Paulus nennt ausgerechnet Eifersucht und Streit als Zeichen dafür, dass die Korinther noch nicht reif waren. Geistliche Reife zeigt sich deshalb nicht allein in Bibelwissen. Sie wird sichtbar in Demut, Urteilsvermögen, Geduld, Selbstbeherrschung und der Fähigkeit, mit Unterschieden umzugehen, ohne sofort Beziehungen zu zerstören.
Wie unterscheidet sich eine gesunde Kleingruppe von einer Clique? Eine Kleingruppe stärkt die Gemeinschaft und bleibt für andere offen; eine Clique definiert sich zunehmend durch Abgrenzung. Eine gesunde Gruppe führt Menschen stärker zu Christus und zur gesamten Gemeinde, während eine Clique ihre eigene Identität häufig dadurch stärkt, dass sie andere Gruppen oder Personen geringer einschätzt.
Kann Einheit auch dann bestehen, wenn Christen unterschiedliche Meinungen haben? Ja, solange Christus, sein Wort und der gemeinsame Auftrag wichtiger bleiben als das Bedürfnis, in jeder Frage Recht zu behalten. Nicht jede Meinungsverschiedenheit ist eine Spaltung. Gefährlich wird sie erst, wenn sie Stolz, Feindseligkeit und Lagerdenken hervorbringt.
🌱 Verstehen – vertiefen – leben
Verstehen bedeutet in dieser Lektion zu erkennen, dass Einheit nicht nur eine angenehme Ergänzung des Gemeindelebens ist. Sie gehört zum Wesen des Evangeliums. Menschen, die durch denselben Christus erlöst wurden, werden in einen gemeinsamen Leib hineingerufen. Darum betrachtet Paulus Parteiungen nicht als belangloses zwischenmenschliches Problem, sondern als geistliche Gefahr.
Vertiefen bedeutet, die Ursachen von Spaltung nicht nur bei anderen zu suchen. Hinter Konflikten können Stolz, das Bedürfnis nach Anerkennung, übertriebene Bindung an Persönlichkeiten oder geistliche Unreife stehen. Gerade weil diese Motive nicht immer offensichtlich sind, braucht es die Bereitschaft, das eigene Herz vor Gott prüfen zu lassen. Die entscheidende Frage lautet dann nicht mehr nur: „Wer hat Recht?“, sondern auch: „Zeigt meine Haltung die Gesinnung Christi?“
Leben bedeutet, Einheit dort zu beginnen, wo wir selbst Einfluss haben. Wir können auf abwertende Worte verzichten, anderen ehrlich zuhören, Konflikte nicht unnötig weitertragen, geistliche Leiter achten, ohne sie zu idealisieren, und Menschen mit anderen Begabungen oder Sichtweisen als Teil desselben Leibes wahrnehmen. Einheit entsteht selten durch eine einzige große Entscheidung. Sie wächst durch viele kleine Entscheidungen, in denen Christus wichtiger wird als das eigene Ego.
📜 Ellen White zum Thema
Für das weiterführende Studium verweist die Lektion auf Ellen Whites Kapitel „Die Ausbildung der Zwölf“ in Das Wirken der Apostel. Dort beschreibt sie, wie Christus sehr unterschiedliche Menschen zu seinen Jüngern berief und sie durch den täglichen Umgang mit ihm für ihren gemeinsamen Dienst formte. Nicht menschliche Gelehrsamkeit, gesellschaftliche Macht oder natürliche Übereinstimmung machte die Jünger zu einer wirksamen Gemeinschaft; ihre eigentliche Kraft lag in der Verbindung mit Christus und im Wirken des Heiligen Geistes.
Gerade darin liegt eine wichtige Ergänzung zur Lektion. Einheit entsteht nicht dadurch, dass Menschen lange genug miteinander diskutieren, bis alle Unterschiede verschwunden sind. Je näher sie Christus kommen und je stärker seine Gesinnung ihr Leben prägt, desto mehr verändert sich auch ihr Verhältnis zueinander. Ellen White betont deshalb an verschiedenen Stellen, dass die Einheit des Volkes Gottes eine starke Wirkung auf die Welt besitzt. Eine Gemeinde, die in Wahrheit und Liebe zusammensteht, macht sichtbar, dass das Evangelium nicht nur einzelne Menschen rettet, sondern auch zerbrochene Beziehungen erneuern kann.
Die Ausbildung der ersten Jünger zeigt gleichzeitig, dass diese Einheit ein Prozess ist. Auch unter den Zwölf gab es Konkurrenz, Missverständnisse und den Wunsch nach Vorrang. Christus gab sie deshalb nicht auf, sondern formte ihren Charakter. Einheit ist somit nicht die Voraussetzung dafür, dass Christus mit einer Gemeinde arbeiten kann; sie ist zugleich eine Frucht seines fortgesetzten Wirkens an ihr.
✨ Der Gedanke für diesen Sabbat
Es ist leicht, von Einheit zu sprechen, solange niemand unsere Überzeugungen infrage stellt, niemand uns enttäuscht und alle ungefähr so denken wie wir. Doch christliche Einheit zeigt ihre wirkliche Kraft gerade dort, wo unterschiedliche Menschen miteinander leben und trotzdem entscheiden, dass Christus größer ist als das, was sie voneinander trennt.
Die Gemeinde in Korinth hatte Christus nicht vollständig verlassen. Sie betete, hörte Predigten, besaß geistliche Gaben und kannte das Evangelium. Trotzdem konnten Stolz und Lagerdenken mitten in dieser geistlich aktiven Gemeinde wachsen. Das sollte uns vorsichtig machen. Religiöse Aktivität schützt nicht automatisch vor Spaltung.
Paulus führt uns deshalb nicht zu einer bestimmten Methode, sondern zu einer Person. Er fragt nicht, welcher Leiter gewinnen soll, sondern erinnert daran, wer für uns gekreuzigt wurde. Nicht Paulus. Nicht Apollos. Nicht Petrus. Christus.
Wenn dieser Christus wieder in die Mitte tritt, verändert sich unser Blick aufeinander. Andere Christen sind dann nicht zuerst Konkurrenten, Vertreter eines anderen Lagers oder Menschen, die unsere Vorstellungen bestätigen müssen. Sie sind Brüder und Schwestern, für die derselbe Christus sein Leben gegeben hat.
Das bedeutet nicht, dass Wahrheit unwichtig wird oder Konflikte einfach ignoriert werden sollen. Es bedeutet, dass auch der Umgang mit Wahrheit und Konflikten die Gesinnung Jesu tragen muss. Gerade dort zeigt sich geistliche Reife.
Einheit in Christus entsteht nicht dadurch, dass wir alle gleich werden, sondern dadurch, dass Christus für uns alle größer wird. Je näher wir ihm kommen, desto weniger Raum bleibt für Stolz, Personenkult und Lagerdenken – und desto deutlicher kann die Gemeinde zeigen, wem sie wirklich gehört.
