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🌙 Noch wach?

Jeden Abend ein Stück näher zu Jesus.


📅 5. September


🛡️ Gott vertrauen, ohne ihn zu prüfen


📖 Matthäus 4,7

„Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.“
Matthäus 4,7


Gestern haben wir gesehen, wie der Versucher Jesus auf die Zinne des Tempels stellte und ihn aufforderte, sich hinabzustürzen. Dabei benutzte Satan sogar Worte aus Psalm 91 und versuchte, aus einer echten Verheißung Gottes eine Begründung für eine falsche Handlung zu machen. Jesus sollte seinen Vater dazu zwingen, durch ein Wunder einzugreifen und öffentlich zu beweisen, dass er wirklich der Sohn Gottes war. Seine Antwort zeigt nun, wie echter Glaube mit Gottes Verheißungen umgeht: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.“

Jesus antwortete erneut mit der Schrift, diesmal mit einem Wort aus 5. Mose 6. Damit stellte er nicht einen Bibelvers gegen einen anderen, sondern zeigte, dass Gottes Wort als Ganzes verstanden werden muss. Psalm 91 versprach Gottes Schutz, aber diese Verheißung gab niemandem das Recht, sich absichtlich in Gefahr zu bringen und anschließend ein Wunder zu verlangen. Echter Glaube vertraut darauf, dass Gott treu ist; er erzeugt nicht künstlich eine Krise, damit Gott seine Treue beweisen muss.


📖 „Wiederum steht geschrieben“

Diese wenigen Worte Jesu sind für unseren Umgang mit der Bibel besonders wichtig. Satan hatte tatsächlich aus der Schrift zitiert, doch Jesus ließ sich dadurch nicht täuschen. Er kannte nicht nur einzelne Verse, sondern verstand die größere Botschaft des Wortes Gottes. Deshalb konnte er erkennen, dass Psalm 91 niemals dazu gedacht war, Leichtsinn zu rechtfertigen.

Auch heute kann ein einzelner Bibelvers sehr überzeugend wirken. Manchmal wird eine Aussage aus ihrem Zusammenhang genommen und so angewendet, dass sie fast das Gegenteil dessen bedeutet, was der gesamte Abschnitt lehrt. Deshalb ist es wichtig, nicht nur zu fragen: „Steht dieser Satz in der Bibel?“, sondern auch: „Was bedeutet er in seinem Zusammenhang, und wie passt diese Auslegung zu den anderen Aussagen der Schrift?“

Wenn du beispielsweise eine Entscheidung treffen möchtest und einen Vers findest, der scheinbar genau deine Meinung bestätigt, solltest du nicht sofort aufhören zu prüfen. Lies den Abschnitt davor und danach, vergleiche ihn mit anderen klaren Aussagen des Neuen Testaments und frage ehrlich, ob du Gottes Willen suchst oder nur eine biblisch klingende Bestätigung für deinen eigenen Wunsch.

Jesus zeigt uns, dass Bibelkenntnis nicht darin besteht, möglichst viele einzelne Sätze zitieren zu können. Es geht darum, Gottes Wort so gut kennenzulernen, dass wir seinen Sinn verstehen und falsche Anwendungen erkennen können.


🛡️ Vertrauen und Prüfen sind nicht dasselbe

Auf den ersten Blick könnte der Sprung vom Tempel wie ein großer Glaubensbeweis wirken. Jesus hätte sagen können: „Ich vertraue meinem Vater so sehr, dass ich einfach springe.“ Doch gerade das wäre kein echter Glaube gewesen. Es wäre der Versuch gewesen, Gott in eine Situation zu bringen, in der er nach menschlicher Vorstellung eingreifen müsste.

Echter Glaube beginnt nicht damit, dass wir Gott Bedingungen stellen. Er beginnt damit, dass wir seinem Charakter und seinem Wort vertrauen. Wenn Gott etwas klar versprochen hat, dürfen wir uns darauf verlassen. Doch wir dürfen aus seinen Verheißungen keine Ansprüche ableiten, die er selbst niemals gegeben hat.

Das macht einen großen Unterschied. Vertrauen sagt: „Papa, ich weiß nicht, wie diese Situation ausgehen wird, aber ich möchte bei dir bleiben.“ Gott zu prüfen würde dagegen bedeuten: „Wenn du wirklich bei mir bist, dann musst du jetzt genau das tun, was ich erwarte.“

Im ersten Fall überlassen wir Gott die Führung. Im zweiten Fall versuchen wir, selbst die Bedingungen festzulegen, unter denen wir ihm vertrauen wollen.


🏜️ Jesus erinnert an eine alte Lektion aus der Wüste

Mit seiner Antwort verwies Jesus auf eine Erfahrung Israels in der Wüste. In 5. Mose 6 erinnerte Mose das Volk daran, Gott nicht so zu versuchen, wie es bei Massa geschehen war. Damals hatte Israel in einer schwierigen Situation gefragt, ob der Herr wirklich unter ihnen sei. Obwohl Gott das Volk bereits geführt und versorgt hatte, sollte seine Gegenwart erneut durch ein sichtbares Eingreifen bewiesen werden.

Genau diese Haltung wollte Satan nun bei Jesus hervorrufen. Der Vater hatte am Jordan gerade öffentlich erklärt: „Dies ist mein lieber Sohn.“ Trotzdem sollte Jesus nun handeln, als wäre diese Aussage noch nicht ausreichend. Er sollte einen zusätzlichen Beweis verlangen.

Jesus weigerte sich. Das Wort des Vaters genügte ihm.

Auch wir können vergessen, was Gott bereits gezeigt hat, sobald eine neue Schwierigkeit auftaucht. Gestern waren wir noch dankbar für seine Führung, und heute fragen wir wegen eines Problems: „Bist du überhaupt noch da?“ Eine enttäuschte Erwartung kann plötzlich alles infrage stellen, was wir vorher über Gottes Treue gelernt haben.

Gott verbietet uns nicht, Fragen zu stellen. Die Psalmen und auch das Neue Testament zeigen Menschen, die ihre Not sehr offen vor Gott bringen. Doch ehrliche Fragen sind etwas anderes als die Forderung, Gott müsse sich nach unseren Bedingungen beweisen.


❤️ Du darfst Fragen haben, ohne Gott Bedingungen zu stellen

Vielleicht gibt es etwas, das du gerade nicht verstehst. Ein Gebet wurde nicht so beantwortet, wie du gehofft hattest. Eine Situation dauert länger, als du erwartet hast. Vielleicht hast du sogar ernsthaft um Gottes Führung gebetet und bist trotzdem unsicher, welchen Weg du gehen sollst.

Du darfst deinem lieben Papa diese Unsicherheit sagen. Glaube bedeutet nicht, schwierige Fragen zu unterdrücken oder so zu tun, als wäre alles leicht verständlich. Jesus selbst betete später in Gethsemane mit großer innerer Belastung. Die Bibel zeigt uns keinen Gott, vor dem wir unsere Gefühle verstecken müssten.

Doch zwischen einer ehrlichen Frage und einer Bedingung besteht ein wichtiger Unterschied. Du kannst beten: „Papa, ich verstehe nicht, warum das geschieht. Bitte hilf mir, dir trotzdem zu vertrauen.“ Etwas anderes wäre: „Wenn du mich wirklich liebst, musst du dieses Problem bis morgen lösen.“

Im ersten Gebet suchst du Gottes Nähe mitten in deiner Unsicherheit. Im zweiten versuchst du, seine Liebe an einer von dir festgelegten Bedingung zu messen.

Du darfst Fragen haben. Du darfst enttäuscht sein. Du darfst sogar sagen, dass du Gottes Handeln gerade nicht verstehst. Aber du musst seine Liebe nicht jeden Tag neu testen.


🧪 „Wenn Gott wirklich …“

Vielleicht kennst du Gedanken, die mit genau diesen Worten beginnen: „Wenn Gott wirklich …“ Wenn Gott mich wirklich liebt, müsste er mir diese Beziehung schenken. Wenn Gott mein Gebet wirklich hört, müsste ich jetzt ein Zeichen bekommen. Wenn Gott mich wirklich führt, dürfte diese Entscheidung nicht so schwierig sein. Wenn Gott wirklich bei mir ist, müsste ich mich stärker fühlen.

Solche Gedanken können sehr überzeugend sein, weil sie häufig an echte Wünsche und echte Fragen anknüpfen. Doch sie enthalten eine Gefahr: Wir definieren zuerst selbst, wie Gottes Liebe oder Führung aussehen muss, und beurteilen ihn anschließend danach, ob er unsere Definition erfüllt.

Jesus hätte dasselbe tun können. Er hätte sagen können: „Wenn der Vater mich wirklich liebt, wird er mich auffangen.“ Doch er wusste bereits, dass der Vater ihn liebte. Deshalb musste er keinen Test erfinden.

Auch du brauchst Gottes Liebe nicht durch ein selbst gewähltes Experiment zu überprüfen. Der deutlichste Beweis seiner Liebe liegt nicht darin, dass jeder Wunsch erfüllt wird, sondern in Jesus selbst. Das Neue Testament führt uns immer wieder zu Christus, wenn wir wissen wollen, wie ernst Gott es mit seiner Liebe zu uns meint.


✝️ Jesus ist Gottes größter Liebesbeweis

Wir suchen manchmal nach kleinen Zeichen, während Gott uns in Jesus bereits etwas viel Größeres gegeben hat. Wir möchten vielleicht ein bestimmtes Ereignis als Beweis seiner Liebe sehen, doch das Evangelium zeigt uns den Sohn Gottes, der zu Menschen kam, ihnen diente und schließlich sein Leben für sie gab.

Das bedeutet nicht, dass Gott keine persönlichen Gebete beantwortet oder uns keine besonderen Erfahrungen schenkt. Er tut es. Doch unser Glaube darf nicht vollständig davon abhängig werden. Erfahrungen verändern sich, Gefühle wechseln, und manche Gebete werden anders beantwortet, als wir gehofft haben. Jesus bleibt derselbe.

Wenn du deshalb morgen einen schweren Tag hast, ist Gottes Liebe nicht kleiner geworden. Wenn ein Gebet noch offen ist, hat das Kreuz nicht aufgehört zu gelten. Wenn du seine Nähe nicht stark fühlst, ist Jesus nicht weniger dein Retter.

Unsere Sicherheit braucht eine Grundlage, die tiefer reicht als unsere wechselnden Erfahrungen. Diese Grundlage ist Christus.


🚦 Gottes Schutz ersetzt nicht deine Verantwortung

Jesu Antwort am Tempel betrifft auch unseren Umgang mit Risiken. Wer Gott vertraut, muss nicht absichtlich unvernünftig handeln. Gottes Schutz ist keine Versicherung für Entscheidungen, bei denen wir bewusst Weisheit und Verantwortung ignorieren.

Das gilt für unseren Körper, unsere Beziehungen, unseren Umgang mit Geld und auch für Versuchungen. Wenn du weißt, dass eine bestimmte Situation dich immer wieder in Schwierigkeiten bringt, solltest du nicht absichtlich hineingehen und anschließend beten, Gott möge dich bewahren. Vielleicht besteht seine Antwort gerade darin, dir vorher die Weisheit zu geben, diese Situation zu vermeiden.

Dasselbe gilt für Entscheidungen, deren Folgen vorhersehbar sind. Gebet ersetzt nicht das Lernen vor einer Prüfung, verantwortungsvolles Fahren, vernünftigen Umgang mit Geld oder notwendige Gespräche in einer Beziehung. Wir dürfen Gott um Hilfe bitten und gleichzeitig das tun, was in unserer Verantwortung liegt.

Vertrauen bedeutet deshalb nicht Passivität. Es verbindet Abhängigkeit von Gott mit verantwortlichem Handeln.


🙏 Gebet ist keine Methode, Gott zu kontrollieren

Gebet ist eine der schönsten Möglichkeiten, mit unserem lieben Papa zu sprechen. Wir dürfen konkrete Bitten aussprechen und sogar sehr genau sagen, was wir uns wünschen. Jesus selbst lehrte seine Jünger zu bitten, und das Neue Testament ermutigt uns, unsere Anliegen vor Gott zu bringen.

Doch Gebet ist keine Technik, mit der wir Gott dazu bringen können, unseren Plan auszuführen. Manchmal entsteht unbewusst die Vorstellung, wir müssten nur genügend lange, intensiv oder mit genügend Glauben beten, dann müsse Gott genau das tun, worum wir bitten.

Jesus zeigt ein anderes Vertrauen. Er weiß, dass der Vater gut ist, ohne ihn zu kontrollieren. Später wird er in Gethsemane sogar einen sehr konkreten Wunsch äußern und gleichzeitig beten, dass der Wille des Vaters geschehen soll.

Auch wir dürfen so beten. Du kannst sagen: „Papa, ich wünsche mir wirklich, dass diese Sache so ausgeht.“ Und du kannst hinzufügen: „Aber ich vertraue dir auch dann, wenn du einen anderen Weg siehst.“

Das ist keine schwache Form des Gebets. Es ist eine tiefe Form des Vertrauens.


🧭 Führung ist mehr als ein Zeichen

Wenn wir vor einer wichtigen Entscheidung stehen, wünschen wir uns manchmal ein eindeutiges Zeichen. Vielleicht bitten wir Gott darum, dass ein bestimmtes Ereignis geschieht, jemand einen bestimmten Satz sagt oder sich eine Tür auf ganz bestimmte Weise öffnet. Dann hätten wir gern die Sicherheit, nichts mehr abwägen zu müssen.

Doch Gottes Führung geschieht häufig weniger spektakulär. Er hat uns sein Wort gegeben, einen Verstand, Gebet und die Möglichkeit, Rat von weisen Menschen einzuholen. Manchmal führt er durch Umstände, aber auch diese müssen geprüft werden.

Eine offene Tür ist nicht automatisch Gottes Wille, und eine Schwierigkeit bedeutet nicht automatisch, dass wir auf dem falschen Weg sind. Jesus selbst wurde vom Geist in die Wüste geführt, obwohl dieser Weg schwierig war.

Wenn du also vor einer Entscheidung stehst, musst du nicht ständig nach außergewöhnlichen Zeichen suchen. Prüfe, ob die Entscheidung mit Gottes Wort übereinstimmt. Bete um Weisheit. Denke über mögliche Folgen nach. Sprich gegebenenfalls mit einem reifen Christen, dem du vertraust. Und wenn du danach handeln musst, darfst du eine verantwortliche Entscheidung treffen, ohne hundertprozentige Kenntnis der Zukunft zu besitzen.

Glaube bedeutet nicht, dass jede Unsicherheit verschwindet. Er bedeutet, dass wir Gott auch innerhalb unserer begrenzten Erkenntnis vertrauen.


📱 Wir wollen oft sofortige Bestätigung

Wir sind daran gewöhnt, schnelle Rückmeldungen zu bekommen. Eine Nachricht wird gelesen, ein Beitrag bekommt Reaktionen, eine Suchanfrage liefert innerhalb von Sekunden Ergebnisse. Dadurch kann es schwieriger werden, mit Situationen umzugehen, in denen keine unmittelbare Antwort kommt.

Vielleicht übertragen wir diese Erwartung sogar auf Gott. Wir beten und schauen innerlich schon wenige Stunden später nach, ob etwas passiert ist. Wenn keine sichtbare Veränderung eintritt, beginnen wir zu zweifeln.

Doch Beziehungen funktionieren nicht wie Suchmaschinen. Vertrauen entwickelt sich auch durch Zeiten, in denen wir nicht sofort wissen, wie etwas ausgehen wird. Gerade dort kann unser Glaube tiefer werden, weil wir lernen, nicht nur auf unmittelbare Ergebnisse zu reagieren.

Das bedeutet nicht, dass Warten angenehm wäre. Manche offenen Fragen können sehr belastend sein. Doch du darfst lernen, mit einer offenen Frage zu leben, ohne daraus sofort eine offene Frage über Gottes Charakter zu machen.

Vielleicht weißt du heute nicht, warum etwas geschieht. Trotzdem kannst du wissen, wem du deine Unsicherheit anvertraust.


🪞 Was würde passieren, wenn Gott Nein sagt?

Eine hilfreiche Frage kann manchmal sein: „Was würde mit meinem Vertrauen zu Gott passieren, wenn seine Antwort auf meinen Wunsch Nein lautet?“ Diese Frage kann zeigen, ob wir Gott selbst suchen oder hauptsächlich das, was wir von ihm bekommen möchten.

Natürlich darf ein Nein wehtun. Wenn dir etwas wirklich wichtig ist, musst du nicht so tun, als wäre dir Gottes Antwort gleichgültig. Jesus selbst zeigte in Gethsemane, dass Unterordnung unter den Willen des Vaters echte innere Kämpfe einschließen kann.

Doch wenn unser ganzes Verhältnis zu Gott davon abhängt, dass er unsere Wünsche erfüllt, wird aus Vertrauen leicht ein Geschäft: Ich glaube, bete und gehorche, und dafür soll Gott mir geben, was ich möchte.

Das Evangelium lädt uns zu etwas Tieferem ein. Wir dürfen Gott lieben, weil er Gott ist und weil wir in Jesus seinen Charakter kennengelernt haben. Seine Gaben sind gut, doch der Geber ist größer als jede einzelne Gabe.

Vielleicht gibt es einen Wunsch, bei dem du heute Abend sagen kannst: „Papa, du weißt, wie wichtig mir das ist. Ich bitte dich darum, aber ich möchte meine Beziehung zu dir nicht davon abhängig machen, ob deine Antwort genauso aussieht, wie ich hoffe.“


🌱 Vertrauen wächst durch Erinnerung

Wenn eine neue Schwierigkeit kommt, vergessen wir leicht, wie Gott uns bereits geführt hat. Deshalb kann es hilfreich sein, sich bewusst zu erinnern. Vielleicht gab es ein Gebet, das beantwortet wurde, einen Bibeltext, der genau zur richtigen Zeit geholfen hat, einen Menschen, den Gott gebraucht hat, oder eine schwierige Phase, durch die du getragen wurdest.

Solche Erinnerungen beweisen nicht, dass jede zukünftige Situation genauso verlaufen wird. Aber sie können uns daran erinnern, dass unsere gegenwärtige Angst nicht die ganze Geschichte erzählt.

Jesus hatte unmittelbar vor der Wüste die Stimme des Vaters gehört. Als der Versucher seine Sohnschaft infrage stellte, brauchte Jesus keinen neuen Beweis. Das Wort des Vaters blieb wahr.

Auch wir dürfen lernen, nicht bei jeder neuen Schwierigkeit wieder bei null anzufangen. Gottes Treue gestern gibt uns keinen Anspruch darauf, wie er morgen handeln muss, aber sie gibt uns einen Grund, ihm auch morgen zu vertrauen.


🤍 Du darfst Gott vertrauen, auch wenn du ihn nicht verstehst

Vertrauen bedeutet nicht, dass alle Fragen beantwortet sind. Wenn wir Gott vollständig verstehen könnten, wäre er nicht größer als unser eigener Verstand. Im Neuen Testament begegnen wir immer wieder Menschen, die Jesus nicht sofort verstanden. Selbst seine Jünger mussten lernen, dass Gottes Weg manchmal völlig anders aussah, als sie erwartet hatten.

Auch du wirst wahrscheinlich Situationen erleben, für die du keine schnelle Erklärung findest. Manche Fragen lösen sich später, andere bleiben lange offen. In solchen Zeiten darfst du zwei Dinge gleichzeitig festhalten: „Ich verstehe es nicht“ und „Ich möchte Gott trotzdem vertrauen.“

Diese Aussagen widersprechen sich nicht. Im Gegenteil, gerade dort beginnt Vertrauen seinen eigentlichen Sinn zu bekommen. Wenn wir bereits alles sehen und verstehen, brauchen wir kaum Vertrauen.

Dein lieber Papa verlangt nicht, dass du jede Schwierigkeit schönredest. Er lädt dich ein, mit deinen Fragen zu ihm zu kommen und bei ihm zu bleiben, während du noch keine vollständige Antwort hast.


🌙 Bevor du heute einschläfst

Vielleicht gibt es gerade eine Sache, bei der du von Gott unbedingt eine bestimmte Antwort möchtest. Vielleicht wartest du schon länger darauf und merkst, dass deine Geduld kleiner wird. Dann musst du diesen Wunsch heute Abend nicht herunterspielen. Sage deinem lieben Papa ehrlich, was du möchtest und warum es dir so wichtig ist.

Frage dich anschließend, ob du aus deinem Wunsch unbewusst eine Bedingung gemacht hast: „Wenn Gott mich liebt, muss er …“ oder „Wenn Gott mich führt, dann muss …“ Wenn du eine solche Bedingung bemerkst, darfst du sie ihm ebenfalls sagen.

Jesus brauchte am Tempel keinen zusätzlichen Beweis für die Liebe seines Vaters. Er vertraute dem Wort, das bereits gesprochen worden war. Auch du darfst lernen, deine Beziehung zu Gott nicht von einem neuen Zeichen abhängig zu machen.

Vielleicht wird dein Gebet morgen beantwortet. Vielleicht musst du weiter warten. Vielleicht führt Gott anders, als du es dir vorgestellt hast. In jedem Fall darfst du bei Jesus bleiben und wissen, dass Gottes Charakter nicht jeden Morgen neu bewiesen werden muss.


💭 Denk darüber nach

Gibt es momentan ein Gebet oder einen Wunsch, bei dem du Gottes Liebe oder Treue unbewusst davon abhängig machst, dass er genau so handelt, wie du es erwartest? Überlege außerdem, ob du bei wichtigen Entscheidungen eher nach spektakulären Zeichen suchst oder bereit bist, Gottes Wort, Gebet, vernünftiges Nachdenken und guten Rat zusammenzunehmen und ihm auch dann zu vertrauen, wenn nicht jede Unsicherheit verschwindet.


🌟 Impuls für morgen

Wenn du morgen wegen einer offenen Frage unruhig wirst, versuche nicht sofort, ein neues Zeichen zu verlangen. Erinnere dich stattdessen an etwas, das du aus dem Neuen Testament bereits sicher über Gott weißt, und bring deine konkrete Unsicherheit im Gebet zu ihm. Sage deinem lieben Papa ehrlich, welche Antwort du dir wünschst, aber überlasse ihm bewusst die Art und den Zeitpunkt seines Handelns. Wenn eine praktische Entscheidung ansteht, prüfe zugleich, was in deiner Verantwortung liegt, und handle nicht leichtsinnig unter dem Vorwand, Gott werde schon eingreifen.


🙏 Gebet

Lieber Papa,

danke, dass Jesus dir am Tempel vertraute und keinen zusätzlichen Beweis deiner Liebe verlangte. Danke, dass er sich nicht dazu bringen ließ, deine Verheißungen für einen selbst gewählten Test zu benutzen.

Du kennst meine offenen Fragen und die Dinge, auf die ich schon länger warte. Du weißt, welche Antworten ich mir wünsche und wie schwer es mir manchmal fällt, wenn deine Führung anders aussieht, als ich sie erwartet habe. Hilf mir, dir diese Wünsche ehrlich zu sagen, ohne daraus Bedingungen für mein Vertrauen zu machen.

Vergib mir, wenn ich gedacht habe, du müsstest etwas Bestimmtes tun, damit ich glauben kann, dass du mich liebst oder bei mir bist. Hilf mir, meine Sicherheit immer stärker in Jesus und in deinem Wort zu finden.

Schenke mir Weisheit im Umgang mit deinen Verheißungen. Bewahre mich davor, einzelne Bibelverse so zu benutzen, dass sie nur meine eigenen Vorstellungen bestätigen. Lass mich dein Wort im Zusammenhang verstehen und bereit sein, mich von ihm korrigieren zu lassen.

Hilf mir auch, Verantwortung zu übernehmen. Ich möchte nicht leichtsinnig handeln und anschließend erwarten, dass du jede Folge verhinderst. Zeige mir, was ich tun kann und soll, und schenke mir gleichzeitig Vertrauen für alles, was außerhalb meiner Kontrolle liegt.

Wenn ich morgen keine schnelle Antwort bekomme, hilf mir zu warten. Wenn ich unsicher bin, führe mich durch dein Wort und deinen Geist. Wenn meine Pläne anders verlaufen, erinnere mich daran, dass deine Liebe nicht kleiner geworden ist.

Ich möchte lernen, dir nicht nur dann zu vertrauen, wenn ich deine Wege verstehe, sondern auch dann bei Jesus zu bleiben, wenn Fragen offen sind.

Amen.


🌙 Schlaf gut. Dein lieber Papa braucht keinen von dir erfundenen Test, um treu zu sein. Du darfst ihm deine Fragen, Wünsche und Unsicherheiten anvertrauen, verantwortlich handeln und dich darauf verlassen, dass seine Liebe in Jesus bereits deutlich geworden ist. Bis morgen.