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2.3 Ein Verzweiflungspsalm

Lies Psalm 22. Was können wir aus diesem Psalm über das Vertrauen zu Gott inmitten großen Leids lernen?

Psalm 22:
1 EIN PSALM DAVIDS, VORZUSINGEN, NACH DER WEISE «DIE HIRSCHKUH, DIE FRÜH GEJAGT WIRD».
2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
3 Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
4 Du aber bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels.
5 Unsere Väter hofften auf dich; und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.
6 Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.
7 Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet vom Volke. 8 Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:
9 «Er klage es dem HERRN, der helfe ihm heraus und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.» 10 Du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen; du ließest mich geborgen sein an der Brust meiner Mutter.
11 Auf dich bin ich geworfen von Mutterleib an, du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an.
12 Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer.
13 Gewaltige Stiere haben mich umgeben, mächtige Büffel haben mich umringt.
14 Ihren Rachen sperren sie gegen mich auf wie ein brüllender und reißender Löwe.
15 Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, alle meine Knochen haben sich voneinander gelöst; mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs.
16 Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt mir am Gaumen, und du legst mich in des Todes Staub.
17 Denn Hunde haben mich umgeben, und der Bösen Rotte hat mich umringt; sie haben meine Hände und Füße durchgraben.
18 Ich kann alle meine Knochen zählen; sie aber schauen zu und sehen auf mich herab.
19 Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand.
20 Aber du, HERR, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen!
21 Errette meine Seele vom Schwert, mein Leben von den Hunden!
22 Hilf mir aus dem Rachen des Löwen und vor den Hörnern wilder Stiere – du hast mich erhört! Luther übersetzte: «und errette mich von den Einhörnern».
 23 Ich will deinen Namen kundtun meinen Brüdern, ich will dich in der Gemeinde rühmen:
24 Rühmet den HERRN, die ihr ihn fürchtet; ehret ihn, ihr alle vom Hause Jakob, und vor ihm scheuet euch, ihr alle vom Hause Israel!
25 Denn er hat nicht verachtet noch verschmäht das Elend des Armen und sein Antlitz vor ihm nicht verborgen; und als er zu ihm schrie, hörte er’s.
26 Dich will ich preisen in der großen Gemeinde, ich will meine Gelübde erfüllen vor denen, die ihn fürchten.
27 Die Elenden sollen essen, daß sie satt werden; und die nach dem HERRN fragen, werden ihn preisen; euer Herz soll ewiglich leben.
28 Es werden gedenken und sich zum HERRN bekehren aller Welt Enden und vor ihm anbeten alle Geschlechter der Heiden.
29 Denn des HERRN ist das Reich, und es herrscht unter den Heiden.
30 Ihn allein werden anbeten alle, die in der Erde schlafen; vor ihm werden die Knie beugen alle, die zum Staube hinabfuhren und ihr Leben nicht konnten erhalten.
31 Er wird Nachkommen haben, die ihm dienen; vom Herrn wird man verkündigen Kind und Kindeskind.
32 Sie werden kommen und seine Gerechtigkeit predigen dem Volk, das geboren wird. Denn er hat’s getan.
Der Psalm 22 ist in der Tat ein kraftvolles Beispiel dafür, wie die Psalmen uns helfen können, mit großem Leid und den Herausforderungen des Lebens umzugehen. Hier sind einige wichtige Aspekte, die wir aus diesem Psalm über das Vertrauen zu Gott inmitten großen Leids lernen können:
  1. Aufrichtige Ausdrucksweise von Schmerz und Verlassenheit:
    • Der Psalm beginnt mit den klagenden Worten, die sowohl von David als auch von Jesus am Kreuz zitiert wurden: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Diese Worte zeigen, dass es in Ordnung ist, vor Gott aufrichtig über Schmerz und Gefühle der Verlassenheit zu sprechen.
  2. Bewusstsein für Gottes vergangene Treue:
    • Trotz der unmittelbaren Erfahrung von Leid erinnert sich der Psalmist an Gottes Treue in der Vergangenheit. Dies zeigt, dass das Vertrauen in Gott nicht nur auf den gegenwärtigen Umständen beruht, sondern auch auf der Erinnerung an Gottes Handeln in der Geschichte.
  3. Ausblick auf zukünftige Erlösung und Lobpreis:
    • Der Psalm geht über die Klage hinaus und betont einen Ausblick auf zukünftige Erlösung und Lobpreis. Selbst inmitten des Leids bekennt der Psalmist seinen Glauben an die Souveränität Gottes und seinen Entschluss, Gottes Namen zu rühmen.
  4. Vertrauen trotz scheinbarer Stille Gottes:
    • Der Psalm gibt einen Einblick in die menschliche Erfahrung, dass es Zeiten gibt, in denen Gott schweint und nicht sofort antwortet. Dennoch drückt der Psalmist trotzdem sein Vertrauen in Gott aus und bleibt fest in seinem Glauben verankert.
  5. Lehre des Vertrauens und der Überwindung:
    • Das Beten und Meditieren über solche Psalmen lehrt uns, dass das Vertrauen zu Gott nicht davon abhängt, ob wir uns gerade in einer Zeit des Glücks oder des Leids befinden. Es ist ein aktiver und bewusster Glaubensakt, der uns ermöglicht, selbst in schwierigen Zeiten auf Gott zu bauen.
Die Psalmen bieten einen Raum für ehrliche und tiefe Ausdrücke von Emotionen, aber sie führen uns auch dazu, unseren Blick auf Gottes Größe, Treue und zukünftige Erlösung zu richten. Das Beten der Psalmen führt zu einer geistlichen Transformation, bei der wir trotz der Herausforderungen des Lebens im Glauben und der Hoffnung auf Gottes Führung und Trost bleiben können.

Wie können wir lernen, über unsere unmittelbaren Schwierigkeiten hinauszublicken und so auf Gottes Güte zu vertrauen, was auch immer wir gerade erleben?

Das Lernen, über unmittelbare Schwierigkeiten hinauszublicken und auf Gottes Güte zu vertrauen, erfordert eine bewusste Anstrengung, spirituelle Übung und eine Perspektive, die auf Gottes Charakter und seine Verheißungen ausgerichtet ist. Hier sind einige Schritte, die helfen können:
  1. Biblische Meditation:
    • Vertiefe dich regelmäßig in die Bibel, insbesondere in die Psalmen und andere Texte, die von Gottes Güte und Treue sprechen. Meditiere über die Wahrheiten der Schrift und erinnere dich an Gottes Handeln in der Geschichte und im Leben anderer Gläubiger.
  2. Dankbarkeit praktizieren:
    • Fokussiere dich bewusst auf die Dinge, für die du dankbar sein kannst, auch inmitten von Schwierigkeiten. Dankbarkeit hilft, eine Perspektive der Wertschätzung zu entwickeln und öffnet den Blick für Gottes Segnungen.
  3. Gebet und Kommunikation mit Gott:
    • Teile in deinen Gebeten nicht nur deine unmittelbaren Sorgen, sondern erinnere dich auch an Gottes Charakter und seine Verheißungen. Bete um die Gnade, über die gegenwärtigen Umstände hinauszublicken und Gottes Wirken in deinem Leben zu erkennen.
  4. Gemeinschaft mit Gläubigen:
    • Teile deine Erfahrungen und Herausforderungen mit anderen Gläubigen. Der Austausch von Geschichten des Glaubens und der Überwindung kann dazu beitragen, eine gemeinsame Perspektive zu entwickeln und sich gegenseitig zu ermutigen.
  5. Geistliche Mentoren suchen:
    • Suche Rat und Anleitung von geistlichen Mentoren oder älteren Gläubigen, die bereits Erfahrungen mit dem Vertrauen auf Gottes Güte inmitten von Schwierigkeiten gemacht haben. Ihre Lebensweisheit kann inspirierend und lehrreich sein.
  6. Perspektivenwechsel:
    • Versuche, deine Situation aus einer größeren Perspektive zu betrachten. Denke daran, dass Gottes Pläne oft über unsere unmittelbaren Umstände hinausreichen. Frage dich, wie deine gegenwärtigen Herausforderungen in den größeren Kontext von Gottes Plan für dein Leben passen könnten.
  7. Selbstreflexion und Wachstum:
    • Nutze schwierige Zeiten als Gelegenheit zur Selbstreflexion und zum geistlichen Wachstum. Frage dich, wie Gott dich durch diese Erfahrungen formen könnte und welche Lektionen du aus ihnen lernen kannst.
  8. Gottes Wort im Herzen bewahren:
    • Memorisiere Bibelverse, die von Gottes Güte, Liebe und Treue sprechen. Wenn du diese Worte im Herzen bewahrst, können sie in schwierigen Zeiten als Quelle der Stärkung dienen.
  9. Blick auf die Ewigkeit:
    • Erinnere dich daran, dass diese Welt nicht unser ewiges Zuhause ist. Eine ewige Perspektive hilft uns, die zeitlichen Schwierigkeiten im Licht der ewigen Herrlichkeit zu sehen.
Das Lernen, über unmittelbare Schwierigkeiten hinauszublicken und auf Gottes Güte zu vertrauen, ist ein fortlaufender Prozess. Es erfordert eine bewusste Anstrengung, eine geistliche Ausrichtung und die kontinuierliche Suche nach Gottes Führung und Trost.