6 Minuten 2 Monaten

Lies Ester 3,1–15. Was geschah hier und warum?
In diesen Versen erfahren wir, dass der König Ahasveros Haman, einen Agagiter, zu einer hohen Position befördert hatte, und alle Untertanen wurden angewiesen, sich vor Haman zu verneigen. Mordechai, ein Jude, weigerte sich jedoch, vor Haman niederzuknien. Als die Diener des Königs ihn darauf hinwiesen und er sich weiterhin weigerte, erfuhr Haman davon.
Haman, erbost über Mordechais Weigerung, beschloss nicht nur, gegen Mordechai vorzugehen, sondern weit darüber hinaus. Er entwickelte einen Plan, um alle Juden im gesamten Königreich auszurotten. Er nutzte das Los (Pur), um den besten Zeitpunkt für die Durchführung seines Plans zu bestimmen.
Haman überzeugte den König davon, dass die Juden ein besonderes und ungehorsames Volk seien, und schlug vor, ein königliches Dekret zu erlassen, das ihre Ausrottung anordnete. Der König, ohne die genauen Umstände zu verstehen, stimmte dem Plan zu, und Haman begann, das Gesetz zu verbreiten, das den Tag für die Vernichtung der Juden festlegte.
Die Stadt Susa geriet in Verwirrung angesichts dieses bedrohlichen Erlasses. Dieses Ereignis legt den Grundstein für die dramatischen Entwicklungen in der Geschichte von Ester, die die Rettung der Juden durch Ester und Mordechai betreffen wird.
Die Geschichte von Mordechai in Ester 3 verdeutlicht, wie stark sein Glaube an Gott war und wie er sich weigerte, vor einem Mann wie Haman niederzuknien, besonders weil dieser ein Nachkomme von Agag, einem Amalekiter, war. Die Feindschaft zwischen den Amalekitern und den Israeliten reicht bis zum Auszug aus Ägypten zurück (5. Mose 25,19).
Mordechai’s Standhaftigkeit zeigt, dass er sich nicht bereit erklärte, einen Menschen anzubeten oder niederzuknien, selbst wenn dieser von königlichem Rang war. Sein Handeln war nicht nur eine persönliche Entscheidung, sondern auch eine demonstrative Ablehnung einer Handlung, die seinem Glauben widersprach. Diese Haltung basierte auf der festen Überzeugung, dass nur Gott allein Anbetung und Verehrung verdient.
Als die Großen des Königs Mordechai darauf ansprachen, erklärte er offen, dass er ein Jude war. Dies war eine Gelegenheit für Mordechai, seinen Glauben zu bezeugen und seine Überzeugung zu erklären. Obwohl die Bibel nicht im Detail darauf eingeht, wie Mordechai darauf antwortete, zeigt die Tatsache, dass er seine Identität als Jude offenbarte, dass er bereit war, die Konsequenzen für seinen Glauben zu tragen.
Haman’s Plan, das gesamte jüdische Volk auszurotten, zeigt die Gefahr, die aus religiöser Intoleranz und Vorurteilen entstehen kann. Die Beschreibung des jüdischen Volkes als „verstreut und abgesondert“ mit eigenen Gesetzen diente als Vorwand für Haman, sie zu verfolgen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, für Religionsfreiheit und Toleranz einzutreten und sich gegen Diskriminierung aufgrund religiöser Unterschiede zu stellen.
Insgesamt zeigt die Geschichte von Mordechai nicht nur seine persönliche Standhaftigkeit im Glauben, sondern sie beleuchtet auch die Herausforderungen, denen das jüdische Volk in einer feindlichen Umgebung ausgesetzt war und die die Bühne für die weiteren Ereignisse in der Geschichte von Ester bereiten.
Wie könnten wir selbst heute genauso auf die Probe gestellt werden wie Mordechai? Wie sollten wir darauf reagieren?
Heutzutage könnten Gläubige ähnlich wie Mordechai auf verschiedene Arten auf die Probe gestellt werden. Hier sind einige Szenarien und mögliche Herausforderungen:
  1. Religiöse Intoleranz: In einigen Regionen oder Kontexten könnten Gläubige aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen diskriminiert oder verfolgt werden. Sie könnten vor die Wahl gestellt werden, ihre Überzeugungen zu verleugnen oder Konsequenzen zu tragen.
  2. Berufliche Herausforderungen: Am Arbeitsplatz könnten Gläubige mit Situationen konfrontiert sein, in denen sie ihre religiösen Überzeugungen und Praktiken verteidigen müssen, sei es in Bezug auf Arbeitszeiten, bestimmte Rituale oder ethische Fragen.
  3. Gesellschaftlicher Druck: In einer zunehmend säkularen Gesellschaft könnten Gläubige mit einem zunehmenden Druck konfrontiert sein, ihre Überzeugungen still zu halten oder sich an weltlichen Normen anzupassen, um Akzeptanz zu finden.
  4. Interreligiöse Spannungen: In multireligiösen Gesellschaften könnten Gläubige mit Spannungen oder Konflikten konfrontiert sein, die durch Unterschiede in den Glaubensrichtungen entstehen.
Wie sollten Gläubige in solchen Situationen reagieren? Hier sind einige Prinzipien, die ihnen helfen könnten:
  1. Standhaftigkeit im Glauben: Ähnlich wie Mordechai ist es wichtig, in unseren Glaubensüberzeugungen standhaft zu bleiben und nicht nachzugeben, wenn sie auf die Probe gestellt werden.
  2. Weisheit und Diskretion: Es ist wichtig, Weisheit und Diskretion anzuwenden, um die beste Art der Reaktion in verschiedenen Situationen zu bestimmen. Das bedeutet nicht zwangsläufig, jede Überzeugung auf aggressive Weise zu verteidigen, sondern klug und respektvoll zu handeln.
  3. Für Religionsfreiheit eintreten: Gläubige können sich für Religionsfreiheit und Toleranz einsetzen, nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere. Das Schaffen von Verständnis und Respekt zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen ist wichtig.
  4. Gemeinschaft und Unterstützung suchen: In schwierigen Zeiten ist es hilfreich, eine Gemeinschaft von Glaubensgeschwistern zu haben, die Unterstützung, Rat und Gebet bieten können.
  5. Gebet und Vertrauen auf Gott: Letztendlich sollten Gläubige auf Gebet zurückgreifen und darauf vertrauen, dass Gott sie durch schwierige Situationen führt. Das Vertrauen auf Gottes Führung und Weisheit ist entscheidend.
Die genaue Reaktion kann je nach Kontext unterschiedlich sein, aber die oben genannten Prinzipien könnten als Leitfaden dienen, um in herausfordernden Situationen als Gläubiger standhaft zu bleiben.